Das Wiener Schnitzel gilt als kulinarisches Aushängeschild Österreichs und begeistert Feinschmecker weltweit. Doch was macht ein perfektes Schnitzel aus? Laut den Experten von Meinl am Graben, dem renommierten Wiener Feinkosthaus, liegt das Geheimnis im richtigen Bratfett. Butterschmalz – auch geklärte Butter genannt – erweist sich dabei als unverzichtbare Zutat für die authentische Zubereitung. Während viele Hobbyköche zu herkömmlichem Öl greifen, schwören Profis auf dieses traditionelle Bratmedium. Der Grund: Butterschmalz verträgt hohe Temperaturen, verleiht dem Schnitzel seinen charakteristischen nussigen Geschmack und sorgt für die begehrte goldbraune Kruste. Diese Reportage enthüllt die Geheimnisse der perfekten Zubereitung und erklärt, warum die Wahl des Bratfetts über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Mit den richtigen Techniken und hochwertigen Zutaten gelingt das Wiener Schnitzel auch in der heimischen Küche wie beim Profi.
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Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. Vorbereitung der Schnitzel
Die Kalbsschnitzel aus dem Kühlschrank nehmen und 20 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen. Zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie oder Backpapier legen und mit dem Fleischklopfer (ein Küchenwerkzeug zum Flachklopfen von Fleisch) vorsichtig auf etwa 3-4 mm Dicke klopfen. Dabei vom Zentrum nach außen arbeiten, um eine gleichmäßige Dicke zu erreichen. Die Ränder leicht einschneiden, damit sich das Schnitzel beim Braten nicht wölbt. Anschließend mit Salz und weißem Pfeffer würzen und den Zitronensaft gleichmäßig darüber träufeln. Diese Marinade 10 Minuten einwirken lassen.
2. Panierstraße aufbauen
Drei tiefe Teller nebeneinander aufstellen. Im ersten Teller das Mehl verteilen. Im zweiten Teller die Eier mit einer Prise Salz verquirlen, bis eine homogene Masse entsteht. Im dritten Teller die Semmelbrösel ausbreiten. Diese klassische Panierstraße (die Anordnung der drei Panier-Stationen) ermöglicht einen effizienten Arbeitsablauf. Wichtig: Die Semmelbrösel sollten fein sein, aber noch etwas Struktur aufweisen. Zu feine Brösel ergeben keine schöne Kruste.
3. Panieren der Schnitzel
Jedes Schnitzel zunächst im Mehl wenden und überschüssiges Mehl abklopfen. Diese Mehlschicht sorgt dafür, dass die Eimasse besser haftet. Dann durch das verquirlte Ei ziehen und abtropfen lassen. Überschüssiges Ei abstreifen, damit die Panade nicht zu dick wird. Abschließend in den Semmelbröseln wenden und leicht andrücken. Die Panade sollte gleichmäßig das gesamte Schnitzel bedecken. Die panierten Schnitzel auf einen Teller legen und 10 Minuten ruhen lassen, damit die Panade besser haftet.
4. Butterschmalz erhitzen
Das Butterschmalz in einer großen Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze schmelzen lassen. Die Fettmenge muss so reichlich sein, dass die Schnitzel fast schwimmen können – das ist das Geheimnis der authentischen Zubereitung. Das Fett hat die richtige Temperatur erreicht, wenn sich um einen Holzlöffelstiel kleine Bläschen bilden oder wenn ein Brotwürfel innerhalb von 30 Sekunden goldbraun wird. Die ideale Brattemperatur liegt bei 170-180 Grad Celsius. Ein Fleischthermometer hilft bei der Kontrolle.
5. Schnitzel braten
Die Schnitzel einzeln oder maximal zu zweit in das heiße Butterschmalz legen. Nicht zu viele gleichzeitig braten, da sonst die Temperatur zu stark abfällt. Während des Bratens die Pfanne leicht schwenken und mit einer Schaumkelle heißes Fett über die Schnitzel gießen. Dieser Vorgang wird Soufflieren (das Übergießen mit heißem Fett während des Bratens) genannt und sorgt für die charakteristische wellige Panade. Nach 2-3 Minuten, wenn die Unterseite goldbraun ist, vorsichtig wenden. Weitere 2-3 Minuten braten, bis auch die zweite Seite perfekt gebräunt ist.
6. Abtropfen und servieren
Die fertigen Schnitzel mit der Schaumkelle herausheben und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Sofort servieren, denn Wiener Schnitzel schmecken am besten frisch und heiß. Die Panade sollte knusprig sein und sich leicht vom Fleisch abheben – ein Zeichen für perfekte Zubereitung. Das übrige Butterschmalz kann durch ein feines Sieb gegossen und für weitere Verwendungen aufbewahrt werden.
Tipp vom Chefkoch
Der entscheidende Unterschied zwischen gutem und exzellentem Wiener Schnitzel liegt tatsächlich im Bratfett. Butterschmalz besitzt einen Rauchpunkt von etwa 200 Grad Celsius, deutlich höher als normale Butter mit nur 150 Grad. Dadurch verbrennt es nicht und verleiht dem Schnitzel seinen unvergleichlichen Geschmack. Meinl am Graben empfiehlt, niemals an der Fettmenge zu sparen: Das Schnitzel soll im Fett schwimmen, nicht darin ertrinken, aber auch nicht zu wenig haben. Die richtige Menge liegt bei etwa 1 cm Fetthöhe in der Pfanne. Ein weiterer Profi-Tipp: Die Schnitzel niemals mit einer Gabel wenden, da dadurch die Panade beschädigt wird. Stattdessen zwei Schaumkellen verwenden. Falls keine Semmelbrösel verfügbar sind, können altbackene Brötchen im Mixer zu Bröseln verarbeitet werden – diese ergeben sogar eine bessere Textur als gekaufte Produkte.
Klassische Weinbegleitung zum Wiener Schnitzel
Zum Wiener Schnitzel passt traditionell ein Grüner Veltliner aus der Wachau oder ein leichter Riesling aus Österreich. Diese Weißweine mit ihrer frischen Säure und fruchtigen Aromatik harmonieren perfekt mit der buttrigen Panade und dem zarten Kalbfleisch. Alternativ empfiehlt sich ein Wiener Gemischter Satz, ein typisch österreichischer Wein aus mehreren gemeinsam vergorenen Rebsorten. Für Bierliebhaber bietet sich ein helles Wiener Lager an, dessen malzige Süße einen interessanten Kontrast zur knusprigen Panade bildet. Wichtig ist, dass das Getränk gut gekühlt serviert wird, um die Geschmacksnerven zwischen den einzelnen Bissen zu erfrischen.
Zusätzliche Info
Das Wiener Schnitzel blickt auf eine lange Tradition zurück, deren Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert reichen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde es 1831 in einem Kochbuch. Die Legende besagt, dass Feldmarschall Radetzky das Rezept aus Mailand nach Wien brachte, wo es vom Costoletta alla milanese inspiriert wurde. Allerdings verwenden die Italiener Parmesan in der Panade, während das österreichische Original ausschließlich Semmelbrösel verwendet. Seit 2017 genießt das Wiener Schnitzel vom Kalb in Österreich einen geschützten geografischen Status. Das bedeutet: Nur Schnitzel aus Kalbfleisch dürfen diese Bezeichnung tragen. Varianten aus Schweinefleisch müssen als Schnitzel Wiener Art bezeichnet werden. Meinl am Graben, gegründet 1862, gilt als Institution für österreichische Kulinarik und bewahrt traditionelle Zubereitungsmethoden. Das Traditionshaus betont, dass Qualität bei den Zutaten niemals Kompromisse duldet – vom Kalbfleisch bis zum Butterschmalz.



